DDR-Kinderbücher aussortiert

Von klein auf lese ich sehr gern. Als Tochter einer Buchhändlerin hatte ich es aber auch recht leicht, an wunderbare Kinderbücher heranzukommen. Vor allem die schön illustrierten Märchenbücher von den Tschechen stehen noch heute im Regal und werden häufig herausgezogen, aber auch aus dem DDR-Kinderbuch-Verlag steht noch einiges auf der Vorleseliste. Einige Bücher braucht man heute aber nicht mehr. Hier eine Auswahl (wird bestimmt noch erweitert):


Der kleine KommandeurDer kleine Kommandeur (1976): „Ich werde auch Soldat für den Frieden“, sagt Flo. Sein Papa ist nämlich auch bei der Nationalen Volksarmee. Und der muss wegfahren – zur 1.Mai-Parade in die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Flo läuft weg und reist seinem Papa hinterher. (Eine Widmung vorne drin verrät, dass mein Bruder das Ding zum 5. Geburtstag von einem Kindergartenkumpel bekam…)

Die doppelte MamaDie doppelte Mama (1977): Geschichte über eine Kindergartengruppe, die dringend ein Turnhalle braucht und deshalb ins Rathaus marschiert. Und dann wird mehrere Seiten lang, jeder Posten im Rathaus erklärt.  Von der Bürgermeisterin über ihre drei Stellvertreter und das Ratsmitglied für die örtliche Versorgung bis zum Pförtner wird jeder ausführlich vorgestellt. LANGWEILIG!

172 Tage172 Tage (1974) : Ein „Trompeterbuch“ über den Dienst an der Grenze. Der Lehrer Egon Schultz stirbt bei einem „Grenzverletzer“- Vorfall an der Mauer.  „Für Leser ab 7 Jahren“ ist als Empfehlung angegeben. Als Kind fand ich das Büchlein zwar spannend, aber auch irgendwie bedrückend. Kann man vielleicht im Geschichts-unterricht  zum Thema DDR und Agitation verwenden.


Eines meiner Lieblingsbücher war übrigens Umberto. >> Leseprobe
Das ist aber noch in den unergründlichen Weiten des elterlichen Kellers verschollen.

Wenn ich als Kind krank war oder Ferien hatte, musste durfte ich gelegentlich mit in die Buchhandlung. Wahlweise konnte ich dann im „Büro“ (ein durch Vorhang abgeteilter Bereich hinter den Regalen) auf der Schreibmaschine herum tippen oder die verkauften Bücher in Tüten stecken („Immer nur Papiertüten heraus geben! Plastetüten (=Mangelware) nur, wenn das Buch sehr teuer ist oder jemand viele Bücher gekauft hat!“)

Regelmäßig gab es dann „Kataloge“, also graue Recycling-Papierheftchen ohne Bilder, mit den Buchankündigungen. Daraus wurde dann das Sortiment bestellt. Ob man die Bücher dann auch tatsächlich in der gewünschten Anzahl bekam, war natürlich eine andere Frage. Jedenfalls blätterte ich das Heft gerne nach Kinder- und Jugendbüchern durch und immer wenn ich was Interessantes entdeckte, bequatschte ich Muttern dieses doch zu bestellen.

Was ich noch lernte: Den sorgsamen Umgang mit Büchern. So können meine Kinder sogar noch einige der russischen Papp-Schiebebilderbücher in gutem Originalzustand bestaunen.

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3 Antworten zu “DDR-Kinderbücher aussortiert

  1. Super, tolle Erinnerung!!!Die ersten beiden Bücher hatte ich auch. Leider wurden mir alle Sachen aus meiner Kindheit damals von “netten” Untermietern geklaut. Heute noch trauer ich meinen vielen Büchern hinterher. Ich war auch schon immer eine Leseratte und stelle ebenfalls auf meinem Blog sehr gerne alte Bücher vor, die ich mir tatsächlich nach und nach erneut übers Internet gekauft habe. Der ordentliche Umgang mit Büchern wurde uns ja schon im Kindergarten gelehrt und heute noch bin ich allgemein bei Sachen sehr ordentlich im Umgang. Leider werden Dinge nicht mehr wirklich wertgeschätzt, was mich manchmal echt auf die Palme bringt. Danke für Deinen Beitrag.
    LG Dany

  2. Wenn die Verwandtschaft einmal im Jahr zu Besuch in den Westen kam, brachten sie in aller Regel Bücher für mich mit — diese Bücher habe ich heute noch und liebe sie sehr. Zum Beispiel eine illustrierte Ausgabe vom „Kleinen Häwwelmann“, „Die dicke Tilla“, ein sehr aufwendig gestaltetes (tschechiches) Schneewittchen-Buch… Aber ich passe auch auf, was ich meinen Kindern so mitgebe, denn manche sind doch arg politisch — wenn auch nicht so krass wie in deinem Fall, das Buch über den Dienst an der Grenze hätte ich sicher auch erstmal konfisziert.

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